CrossFit: Beschwerden, Verletzungen und der Vergleich mit Bodybuilding und Powerlifting

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung
  2. Mechanische und trainingsphysiologische Plausibilität
  3. CrossFit: Beschwerden und Verletzungen
  4. Vergleichsübersicht auf Personenebene
  5. Vergleichsübersicht auf Stundenebene
  6. Was im jeweiligen Training tatsächlich weh tut
  7. Methodische Einordnung und Grenzen
  8. Schluss / Konklusion
  9. Hinweis in eigener Sache (Transparenz)
  10. Literaturverzeichnis

CrossFit: Beschwerden, Verletzungen und der Vergleich mit Bodybuilding und Powerlifting

Wissenschaftliche Ausarbeitung

Einleitung

Die Frage, ob CrossFit ein höheres Risiko für Beschwerden und Verletzungen mit sich bringt als klassisches, kontrolliertes Krafttraining, lässt sich weder mit einem pauschalen Ja noch mit einem pauschalen Nein seriös beantworten. Sie muss vielmehr entlang zweier Ebenen untersucht werden. Erstens ist zu prüfen, ob die typische Belastungsstruktur von CrossFit biomechanisch und trainingsphysiologisch überhaupt geeignet ist, das Risiko zu erhöhen. Zweitens ist zu fragen, ob sich ein solches erhöhtes Risiko auch in realen Beschwerde- und Verletzungsdaten wiederfindet. Genau an dieser Stelle ist die Ausgangsthese interessant: Während bodybuilding-nahes Krafttraining im Regelfall darauf abzielt, eine Last kontrolliert zu führen, Spannung im Zielmuskel aufrechtzuerhalten und die Bewegung auch unter Ermüdung technisch möglichst sauber zu steuern, werden im CrossFit häufig komplexe Mehrgelenksübungen unter Zeitdruck, Ermüdung oder leistungsorientierten Vorgaben durchgeführt. Dadurch kann sich der Schwerpunkt von kontrollierter Belastungssteuerung hin zur möglichst schnellen oder effizienten Bewältigung einer Last verschieben. Diese Veränderung ist deshalb relevant, weil sie nicht nur die akute Verletzungsgefahr, sondern bereits die Häufigkeit klinisch relevanter Beschwerden beeinflussen könnte.

Mechanische und trainingsphysiologische Plausibilität

Trainingsphysiologisch ist die Grundannahme gut begründbar. In einer Interventionsstudie von Kubo et al. stiegen Muskelkraft und neuronale Aktivierung bereits nach zwei Monaten Krafttraining deutlich an, während Muskelquerschnitt und Sehnensteifigkeit bis dahin noch nicht signifikant verändert waren. Erst am Ende der dreimonatigen Trainingsphase wurden signifikante Zunahmen von Muskelquerschnitt und Sehnensteifigkeit beobachtet. Die Autoren leiteten daraus ausdrücklich ab, dass sich die Anpassung von Sehneneigenschaften und Muskelmorphologie langsamer vollzieht als die funktionelle Anpassung des Muskels. Das ist für die vorliegende Fragestellung bedeutsam, weil damit eine Phase plausibel wird, in der Athleten bereits deutlich mehr Kraft entfalten können, ohne dass passive Strukturen im gleichen Maß nachgezogen haben.1

Eine mehrjährige Längsschnittuntersuchung an Elite-Springern stützt diese Richtung zusätzlich. Karamanidis und Epro beschrieben, dass Unterschiede in der Anpassungsgeschwindigkeit von Muskel und Sehne sowie nicht synchronisierte Veränderungen innerhalb der Muskel-Sehnen-Einheit die Interaktion des Systems stören und damit das Risiko für Überlastungsproblemen erhöhen können. Die Studie zeigt damit nicht nur abstrakt, dass Sehnen langsamer reagieren, sondern dass ungleichförmige Anpassungen im leistungsorientierten Training praktisch relevant werden können. Überträgt man diese Grundidee auf CrossFit, ergibt sich eine plausible mechanische Hypothese: Wenn technisch anspruchsvolle Zug-, Hebe- und Überkopfbewegungen unter Ermüdung, hoher Wiederholungszahl und Leistungsdruck absolviert werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass nicht mehr die präzise Lastführung im Vordergrund steht, sondern das möglichst schnelle oder effiziente Bewältigen der Aufgabe.2

Daraus folgt nicht automatisch, dass CrossFit zwingend deutlich gefährlicher sein muss als jede andere Trainingsform. Wohl aber entsteht ein biologisch und mechanisch gut begründetes Risikoprofil: Steigende Kraftentwicklung, komplexe Bewegungsmuster, Ermüdung und potenziell noch unvollständig angepasste passive Strukturen können zusammen ein ungünstiges Belastungsszenario erzeugen. Gerade hierin liegt der Unterschied zu kontrolliertem, bodybuilding-orientiertem Krafttraining, bei dem die Bewegungsausführung typischerweise stärker an lokaler Muskelarbeit, kontrollierter Exzentrik und reproduzierbarer Technik ausgerichtet ist.

CrossFit: Beschwerden und Verletzungen

Für CrossFit ist zunächst entscheidend, zwischen enger Verletzungsdefinition und breiterer Beschwerde- beziehungsweise Problemdefinition zu unterscheiden. Die prospektive 12-Wochen-Studie von de Queiroz Szeles et al. erfasste klinisch relevante muskuloskelettale Verletzungen oder Schmerzen, die das Training für mindestens einen Tag verhinderten. Von 515 rekrutierten Personen lieferten 406 mindestens ein Follow-up. 133 Athleten berichteten mindestens ein neues klinisch relevantes Problem; das entsprach einer Inzidenzproportion von 32,8 Prozent. Insgesamt wurden 247 neue Ereignisse über 13.041 Trainingsstunden erfasst, woraus sich eine Inzidenzdichte von 18,9 Ereignissen pro 1000 Trainingsstunden ergab. Am häufigsten betroffen waren Schulter und Lendenwirbelsäule; nach Typ dominierten Muskelverletzungen und Gelenkschmerz. Zusätzlich waren das Wechseln zwischen vorgeschriebenen und skalierten Lasten sowie frühere Verletzungen mit deutlich erhöhtem Risiko für neue Probleme assoziiert. Diese Studie ist deshalb besonders wichtig, weil sie gerade nicht nur harte Zeitverlustverletzungen erfasst, sondern klinisch relevante Beschwerden mit funktioneller Bedeutung.3

Enger definierte Verletzungsendpunkte fallen niedriger aus, bleiben aber relevant. In einer prospektiven 9-Monats-Kohorte mit 295 CrossFit-Athleten berichteten Naderi et al., dass 25,8 Prozent der Teilnehmenden im Beobachtungszeitraum verletzt wurden. Insgesamt traten 94 Verletzungen auf, entsprechend 2,04 Verletzungen pro 1000 Trainingsstunden. Besonders häufig betroffen waren Schulter, Lendenwirbelsäule und Knie. Frühere Verletzungen erhöhten das Risiko fast auf das Vierfache, und jede zusätzliche Trainingsstunde pro Woche war mit einem weiteren Risikoanstieg verbunden. Diese Daten sprechen dafür, dass CrossFit nicht nur unter theoretischen Gesichtspunkten, sondern auch in realen Kohorten ein substantielles Beschwerde- und Verletzungsprofil aufweist.4

Bei Anfängern wirkt das Bild nochmals ungünstiger. Larsen et al. untersuchten ein achtwöchiges Einsteigerprogramm und erfassten unter 168 Teilnehmenden insgesamt 28 Verletzungen. Das entsprach 14,9 Prozent verletzten Personen und einer Verletzungsrate von 9,5 pro 1000 Trainingsstunden. Die Autoren folgerten ausdrücklich, dass das Risiko unter Anfängern höher zu sein scheint als bei erfahreneren CrossFit-Trainierenden. Diese Beobachtung passt gut zur trainingsphysiologischen Grundannahme, dass gerade bei noch unvollständig ausgeprägter Technik, noch begrenzter Bewegungserfahrung und möglicherweise noch nicht voll angepassten passiven Strukturen komplexe Belastungen leichter problematisch werden.5

Die CrossFit-Daten stützen also keine triviale Aussage im Sinn von einer bloß gelegentlichen kleinen Trainingsreizung, sondern zeigen ein konsistentes Muster: Je nachdem, ob Beschwerden mit funktioneller Einschränkung oder enger definierte Verletzungen erfasst werden und ob Anfänger oder erfahrene Athleten untersucht werden, schwanken die Kennzahlen deutlich. Gerade diese Spannweite ist jedoch selbst ein wichtiger Befund, weil sie zeigt, dass CrossFit-Risiken sehr stark von Definition, Trainingsstand und Belastungskontext abhängen.

Vergleichsübersicht auf Personenebene

Auf der Personenebene ergibt sich zunächst ein differenziertes Bild. In der CrossFit-Studie mit breiterer Problemdefinition berichteten 32,8 Prozent der Athleten mindestens ein neues klinisch relevantes muskuloskelettales Problem innerhalb von 12 Wochen. In der 9-Monats-Kohorte mit engerer Verletzungsdefinition lag der Anteil verletzter Athleten bei 25,8 Prozent. Bei CrossFit-Anfängern in einem achtwöchigen Einstiegsprogramm wurden 14,9 Prozent als verletzt erfasst. Bereits innerhalb von CrossFit wird damit deutlich, wie stark die Höhe der berichteten Belastung davon abhängt, ob eher Beschwerden mit funktioneller Relevanz oder enger definierte Verletzungen untersucht werden und ob erfahrene oder unerfahrene Athleten eingeschlossen sind.

Zum Vergleich berichteten in der Bodybuilding-Studie von Siewe et al. 45,1 Prozent der untersuchten Athleten Symptome während des Trainings. Dabei handelte es sich allerdings um 71 Wettkampf- und Elite-Bodybuilder aus Deutschland, nicht um eine allgemeine Fitnessstudio-Population.6 Im Powerlifting berichteten in der klassischen Studie von Siewe et al. 43,3 Prozent der untersuchten Wettkampf- und Elite-Powerlifter Probleme während normaler Trainingseinheiten.7 Zusätzlich zeigte eine weitere Untersuchung an 104 schwedischen subelitären Powerliftern, dass 70 Prozent aktuell verletzt waren und 87 Prozent innerhalb der vergangenen zwölf Monate eine Verletzung angegeben hatten.8 Entscheidend ist hier jedoch die Definition: Als Verletzung galt bereits ein Zustand von Schmerz oder Funktionsbeeinträchtigung, der das Training beeinflusste. Diese Zahlen zeigen, dass auch Bodybuilding und Powerlifting keineswegs beschwerdearm sind.

Tabelle 1. Vergleichsübersicht auf Personenebene

Trainingsform Population und Definition Personenbezogener Wert
CrossFit12 Wochen; klinisch relevante muskuloskelettale Probleme32,8 %
CrossFit9 Monate; enger definierte Verletzungen25,8 %
CrossFit, Anfänger8 Wochen; Einsteigerprogramm, Verletzungen14,9 %
Bodybuilding71 Wettkampf- und Elite-Bodybuilder; Symptome im Training45,1 %
Powerlifting245 Wettkampf- und Elite-Powerlifter; Probleme im Training43,3 %
Powerlifting104 subelitäre Athleten; Schmerz- oder Funktionsbeeinträchtigung als Verletzung70 % aktuell; 87 % in 12 Monaten

Die Tabelle macht sichtbar, dass Beschwerden auch in Bodybuilding und Powerlifting häufig sind. Zugleich dürfen diese Prozentwerte nicht vorschnell gegeneinander ausgespielt werden, wenn Definition, Beobachtungszeitraum und Population voneinander abweichen. Sauber ableiten lässt sich vor allem, dass Beschwerden in allen drei Trainingsformen häufig sind, aber nicht überall nach denselben Kriterien erfasst wurden.

Vergleichsübersicht auf Stundenebene

Auf der Expositionsebene, also bezogen auf 1000 Trainingsstunden, fällt der Vergleich zugunsten des bodybuilding-orientierten Krafttrainings deutlicher aus. Im CrossFit ergab die 12-Wochen-Studie mit breiterer Problemdefinition 18,9 klinisch relevante muskuloskelettale Probleme pro 1000 Stunden. Die 9-Monats-Kohorte mit engerer Verletzungsdefinition lag bei 2,04 Verletzungen pro 1000 Stunden. Bei CrossFit-Anfängern wurden 9,5 Verletzungen pro 1000 Stunden beobachtet. CrossFit kann damit je nach Definition und Erfahrungsgrad der Trainierenden von moderaten bis sehr hohen stundenbezogenen Werten reichen.

Im Bodybuilding lag die Verletzungsrate in der zitierten Studie bei 0,24 Verletzungen pro 1000 Trainingsstunden.6 Im Powerlifting wurde in der klassischen Studie etwa 1 Verletzung pro 1000 Trainingsstunden berichtet.7 Schon auf dieser Ebene wirkt CrossFit gegenüber bodybuilding-orientiertem Krafttraining ungünstiger. Besonders aufschlussreich ist dabei nicht nur der Abstand zwischen 2,04 und 0,24, sondern auch der Umstand, dass der beschwerdeorientierte CrossFit-Wert von 18,9 pro 1000 Stunden weit oberhalb dessen liegt, was in diesen Kraftsportstudien als eng definierte Verletzungsrate berichtet wurde.

Zur groben Kontextualisierung gegenüber anderen technisch anspruchsvollen Kraftsportarten kann ergänzend auf die systematische Übersichtsarbeit von Aasa et al. verwiesen werden. Dort lagen die Verletzungsraten im olympischen Gewichtheben bei 2,4 bis 3,3 pro 1000 Trainingsstunden und im Powerlifting bei 1,0 bis 4,4 pro 1000 Trainingsstunden. Diese Angabe dient hier nur der Einordnung, weil es sich nicht um eine Primärstudie, sondern um eine Sekundärquelle handelt und die Autoren selbst auf methodische Heterogenität der einbezogenen Studien hinweisen. Dennoch ist der Vergleich instruktiv: CrossFit liegt mit seinen enger definierten Verletzungsraten nicht zwangsläufig weit oberhalb aller technisch anspruchsvollen Kraftsportarten, wohl aber klar oberhalb der in der zitierten Bodybuilding-Stichprobe berichteten Verletzungsrate.9

Tabelle 2. Vergleichsübersicht auf Stundenebene

Trainingsform Definition Rate pro 1000 Trainingsstunden
CrossFitKlinisch relevante muskuloskelettale Probleme18,9
CrossFitEnger definierte Verletzungen2,04
CrossFit, AnfängerVerletzungen im Einsteigerprogramm9,5
BodybuildingVerletzungen0,24
PowerliftingVerletzungen1,0
Olympisches GewichthebenEinordnung aus systematischer Übersichtsarbeit2,4-3,3
PowerliftingEinordnung aus systematischer Übersichtsarbeit1,0-4,4

Für die Interpretation ist entscheidend, dass 18,9 pro 1000 Stunden im CrossFit keine reine Verletzungsrate darstellt, sondern eine breitere Kategorie klinisch relevanter muskuloskelettaler Probleme. Der Wert von 0,24 pro 1000 Stunden im Bodybuilding bezieht sich dagegen auf Verletzungen in engerer Definition. Methodisch sauber ist die Gegenüberstellung daher nicht als direktes „18,9 gegen 0,24“, sondern als Befund, dass CrossFit sowohl bei engeren Verletzungsdefinitionen als auch erst recht bei breiterer Beschwerdeerfassung ungünstigere stundenbezogene Werte erreichen kann als bodybuilding-orientiertes Krafttraining.

Was im jeweiligen Training tatsächlich weh tut

Für die inhaltliche Bewertung ist nicht nur wichtig, wie häufig Beschwerden auftreten, sondern auch, welche Strukturen betroffen sind. In der 12-Wochen-CrossFit-Kohorte waren Muskelverletzungen und Gelenkschmerz die häufigsten Problemtypen; anatomisch am häufigsten betroffen waren Schulter und Lendenwirbelsäule. Das ist deshalb bedeutsam, weil die Belastung im CrossFit eben nicht nur als unspezifischer Muskelreiz erscheint, sondern regelmäßig auch gelenknahe und funktionell relevante Regionen betrifft.3

Noch deutlicher wird dies in der prospektiven Schulterstudie von Bakaraki et al. Dort lag die Schulterverletzungsrate bei 0,79 pro 1000 Trainingsstunden. Besonders häufig standen die Verletzungen im Zusammenhang mit olympischem Gewichtheben und gymnastischen Elementen. Am häufigsten betroffen waren die Sehnen der Rotatorenmanschette, einschließlich Läsionen und Tendinopathien. Diese Beobachtung ist für die Ausgangsthese besonders wichtig, weil sie zeigt, dass im CrossFit nicht nur muskuläre Beschwerden, sondern ausdrücklich auch sehnenbezogene Pathologien auftreten können.10

Im Bodybuilding lagen die häufigsten betroffenen Regionen in der Studie von Siewe et al. bei Schulter, Ellenbogen, Lendenwirbelsäule und Knie.6 Die Studie erlaubt jedoch keine saubere gewebespezifische Trennung. Aus den publizierten Daten lässt sich deshalb nicht sicher ableiten, welcher Anteil der Symptome primär muskulär war, welcher eher gelenk-, sehnen- oder bandbezogen und welcher möglicherweise durch wettkampfspezifische Rahmenbedingungen beeinflusst wurde. Dasselbe gilt in ähnlicher Weise für die klassische Powerlifting-Studie, in der vor allem Schulter, unterer Rücken und Knie als häufigste Problemregionen genannt wurden.7 Diese Einschränkung ist wichtig, weil sie zeigt, dass man Bodybuilding-Beschwerden nicht seriös pauschal als bloßen gewollten Muskelreiz abtun kann.

Methodische Einordnung und Grenzen

Die Vergleichbarkeit der Studien ist begrenzt. Ein Prozentwert beschreibt den Anteil betroffener Personen in einer Stichprobe, während eine Rate pro 1000 Stunden eine ereignisbezogene Größe ist, die die Trainingszeit einbezieht. Diese Maße lassen sich nur dann sauber ineinander überführen, wenn Beobachtungszeitraum und tatsächliche Exposition vollständig bekannt sind. Genau das ist zwischen den hier diskutierten Studien nicht einheitlich der Fall. Deshalb wäre es wissenschaftlich unsauber, 45,1 Prozent im Bodybuilding oder 43,3 Prozent im Powerlifting direkt mit 18,9 pro 1000 Stunden im CrossFit gleichzusetzen.

Hinzu kommt, dass die untersuchten Populationen nicht identisch sind. Die Bodybuilding-Daten stammen aus Wettkampf- und Elite-Bodybuildern, die klassische Powerlifting-Studie aus Wettkampf- und Elite-Powerliftern, die schwedische Querschnittsstudie aus subelitären Powerliftern und die CrossFit-Arbeiten aus gemischten Athletenkohorten beziehungsweise aus Novizenprogrammen. Aussagen wie „Bodybuilding hat mehr Beschwerden als CrossFit“ oder „CrossFit ist zwingend gefährlicher als Powerlifting“ gehen deshalb über die Daten hinaus, wenn nicht zugleich Definition, Leistungsniveau und Messzeitraum mitgedacht werden. Trotz dieser Grenzen ist die Richtung der Evidenz erkennbar. CrossFit zeigt sowohl bei engeren Verletzungsdefinitionen als auch bei breiterer Erfassung klinisch relevanter Beschwerden relevante bis hohe Werte. Bodybuilding und Powerlifting zeigen ebenfalls häufige Beschwerden, doch die enger definierten Verletzungsraten liegen in den hier herangezogenen Primärstudien niedriger. Diese Konstellation stützt die vorsichtige, aber belastbare Aussage, dass CrossFit gegenüber kontrollierterem, bodybuilding-orientiertem Krafttraining ein ungünstigeres Belastungsprofil erkennen lässt, besonders dann, wenn Anfänger, Ermüdungssituationen und funktionell relevante Beschwerden berücksichtigt werden.

Schluss / Konklusion

In der Gesamtschau lässt sich die Ausgangsthese in differenzierter Form stützen. CrossFit vereint mehrere Faktoren, die aus mechanischer und trainingsphysiologischer Sicht geeignet sind, das Risiko für Beschwerden und Verletzungen zu erhöhen: technische Komplexität, Ermüdung, Zeit- oder Leistungsdruck, wechselnde Lastvorgaben sowie die Möglichkeit, Bewegungen stärker auf äußeren Output als auf präzise Kontrolle hin zu absolvieren. Die Grundlagenliteratur zur verzögerten Sehnenanpassung gegenüber früheren Kraftzuwächsen liefert dafür ein plausibles biologisches Fundament.

Die sportartspezifischen Daten passen in dieses Bild. Im CrossFit wurden in prospektiven Studien sowohl relevante Verletzungsraten als auch noch höhere Raten klinisch bedeutsamer Beschwerden beschrieben. Besonders wichtig ist, dass diese Beschwerden nicht nur unspezifisch muskulär erscheinen, sondern häufig Schulter, Lendenwirbelsäule und Knie betreffen und im Schulterbereich auch sehnenbezogene Pathologien der Rotatorenmanschette umfassen können. Im Vergleich dazu zeigen Bodybuilding und Powerlifting ebenfalls häufige Beschwerden, aber in den hier besprochenen Primärstudien niedrigere Verletzungsraten pro 1000 Trainingsstunden.

Am besten belegt ist daher nicht die pauschale Formel, CrossFit sei schlechthin extrem gefährlich, sondern die präzisere Aussage, dass CrossFit gegenüber kontrolliertem, bodybuilding-orientiertem Krafttraining ein ungünstigeres Belastungsprofil aufweist und besonders dann risikoreich werden kann, wenn technische Komplexität, Ermüdung, inkonsistentes Lastmanagement, Vorschädigung und noch unvollständig adaptierte passive Strukturen zusammenkommen. Für Anfänger und für beschwerdeorientierte Endpunkte fällt dieses Signal besonders deutlich aus. Aus wissenschaftlicher Sicht ist damit weniger eine absolute Verdammung von CrossFit begründbar als vielmehr die Feststellung, dass seine typische Trainingslogik ein Belastungsszenario erzeugt, das sorgfältigere Techniksteuerung, vorsichtigeres Lastmanagement und mehr Respekt vor der langsameren Anpassung passiver Strukturen verlangt als kontrollierteres Hypertrophie- und Krafttraining.

Hinweis in eigener Sache (Transparenz) und Coaching

Dieser Artikel ist kostenlos im Blog veröffentlicht und dient der evidenzbasierten Information. Wenn du Unterstützung bei Trainingsstruktur, Lastmanagement oder einer individuellen Einordnung deines Trainings suchst, bieten wir Coaching an unter fit-coaching-benni-leslie.de. Der Hinweis ist Werbung in eigener Sache; die inhaltlichen Aussagen stützen sich auf die angegebenen Quellen.

Literaturverzeichnis

  1. Kubo K, Ikebukuro T, Yata H, Tsunoda N, Kanehisa H. (2010): "Time course of changes in muscle and tendon properties during strength training and detraining", Journal of Strength and Conditioning Research. DOI: 10.1519/JSC.0b013e3181c865e2. PMID: 19996769.
  2. Karamanidis K, Epro G. (2020): "Monitoring Muscle-Tendon Adaptation Over Several Years of Athletic Training and Competition in Elite Track and Field Jumpers", Frontiers in Physiology. DOI: 10.3389/fphys.2020.607544. PMID: 33391022.
  3. de Queiroz Szeles PR, da Costa TS, da Cunha RA, Hespanhol L, Pochini AC, Ramos LA, Cohen M. (2020): "CrossFit and the Epidemiology of Musculoskeletal Injuries: A Prospective 12-Week Cohort Study", Orthopaedic Journal of Sports Medicine. DOI: 10.1177/2325967120908884. PMID: 32284938.
  4. Naderi A, Zetterberg C, Wang R, Larsson P, Cadenas-Sanchez C, Ekblom MM. (2025): "Understanding Sports Injury Risks in CrossFit: A Prospective Cohort Study on Athletic Demographics, Training Profiles, Injury History, and Psychological Factors", Scandinavian Journal of Medicine and Science in Sports. DOI: 10.1111/sms.70100. PMID: 40698870.
  5. Larsen RT, Hessner AL, Ishoi L, Langberg H, Christensen J. (2020): "Injuries in Novice Participants during an Eight-Week Start up CrossFit Program-A Prospective Cohort Study", Sports. DOI: 10.3390/sports8020021. PMID: 32069804.
  6. Siewe J, Marx G, Knoll P, Eysel P, Zarghooni K, Graf M, Herren C, Sobottke R, Michael JWP. (2014): "Injuries and overuse syndromes in competitive and elite bodybuilding", International Journal of Sports Medicine. DOI: 10.1055/s-0034-1367049. PMID: 24886919.
  7. Siewe J, Rudat J, Rollinghoff M, Schlegel UJ, Eysel P, Michael JWP. (2011): "Injuries and overuse syndromes in powerlifting", International Journal of Sports Medicine. DOI: 10.1055/s-0031-1277207. PMID: 21590644.
  8. Stromback E, Aasa U, Gilenstam K, Berglund L. (2018): "Prevalence and Consequences of Injuries in Powerlifting: A Cross-sectional Study", Orthopaedic Journal of Sports Medicine. DOI: 10.1177/2325967118771016. PMID: 29785405.
  9. Aasa U, Svartholm I, Andersson F, Berglund L. (2017): "Injuries among weightlifters and powerlifters: a systematic review", British Journal of Sports Medicine. DOI: 10.1136/bjsports-2016-096037. PMID: 27707741.
  10. Bakaraki A, Tsirogiannis G, Matzaroglou C, Fousekis K, Xergia SA, Tsepis E. (2025): "Demographic, Epidemiological and Functional Profile Models of Greek CrossFit Athletes in Relation to Shoulder Injuries: A Prospective Study", Journal of Functional Morphology and Kinesiology. DOI: 10.3390/jfmk10030278. PMID: 40700214.

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